Ich sitze gerade im Bus von New York nach Boston und wo ich hinhöre, wird deutsch gesprochen. Ich dunkel meinen Bildschirm etwas ab, auf die Gefahr hin, dass irgendwer mitliest. Sie sind überall. Der Typ neben mir pennt zwar schon und ist, so glaub ich zumindest, Amerikaner, aber ich bin mir fast sicher, auch er kann deutsch. Vielleicht ist es die Eintrittskarte um mit einem Greyhound fahren zu dürfen. Vielleicht bucht aber auch nur sonst kaum jemand diese Busse, weil sie eigentlich einen ziemlich miesen Ruf haben. Vielleicht gibt es aber auch nur deutsche Touristen?
Schon bei meinem ersten Besuch in New York hatte ich dasselbe Gefühl: Die ersten Worte die ich zum Beispiel auf der Aussichtsplattform des Empire State Buildings gehört habe, waren original: "Manuela, kommst du bitte von dem Geländer weg?" Mauela, kommst du bitte von dem Geländer weg...? Was ist das den für ein Satz? Nicht nur dass er verdammte Ähnlichkeit mit so glorreichen Sätzen wie "Schakelline, komm von die Regale wech, sonst klatscht's -- aber keinen Beifall" hat, er ist irgendwie auch typisch deutsch. Oder zumindest typisch für das, was andere Kulturen für typisch deutsch halten.
Es war Theodor Fontane, glaub ich, der einmal gesagt hat: Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat haben. Also was habe ich an der "Heimat"? Ist es, dass Eltern in Deutschland ihren Kinder keine schönen Ausblicke gönnen? Bestimmt nicht. Ich glaube das ist ein normaler Elternsatz um zu zeigen, wer die Eltern sind. Es gibt aber noch etwas anderes am alten Fontane: Eben dadurch, dass ich so viele Deutsche treffe, musst ich mir eingestehen, dass ich genau diese Dinge mache, die andere Deutsche in New York wohl auch machen. Es gibt also nicht nur deutsche Touristen, es sei denn man kommt aus Deutschland ;) Und natürlich fällt einem deutsch eher auf, wenn man gerade mitten durch New York läuft.
Dieses Mal hab ich in New York (mit vielen anderen Deutschen ;)) die Weihnachtsstimmung in der Stadt aufgesogen. Es ist schwer vorstellbar, aber die Stadt ist noch beleuchteter um diese Zeit als bei meinem letzten Besuch im Oktober. Kurz zusammengefasst hat New York alles, was man sich an Weihnachtsdeko vorstellen kann und das in der größten und kitschigsten Version. Aber irgendwie passt es zur Stadt und deswegen haben mir gestern und heute sehr gut gefallen. Werd noch ein paar Bilder hier hochladen, sobald ich die Bilder auf meinen Computer übertragen hab, damit ihr ein besseres Bild bekommt.
In Boston will ich mir auf jeden Fall den Freiheitspfad angucken, der 4km lang historische Schauplätze in Boston (meist aus der Bürgerkriegszeit) verbindet. Außerdem will ich nach Harvard. Olga hat mir gesagt, dass ich auf jeden Fall die von Studis organisierte inoffizielle Führung machen soll. Die sei viel witziger. Und leisten könnt ich's mir sicher nicht, aber vielleicht kann man sich ja auch in eine der Vorlesungen schleichen. Ansonsten weiß ich schon, dass ich mir morgen das Massachusetts State Capitol angucken werde. Ist vergleichbar mit einem Landtag. Ein sehr schönes Gebäude.
So ich leg mich noch ein bisschen hin, hab im Jazz on the Park nämlich ein Bett an der Tür erwischt und immer volle Lichtstärke abbekommen, als die letzten der 9 Mitbewohner über die Nacht verteilt ins Zimmer gekommen sind.
Donnerstag, 17. Dezember 2009
Gibt es eigentlich nur deutsche Touristen?
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